Klaus Wowereit war von 2001 bis 2014 Regierender Bürgermeister von Berlin und prägte die Hauptstadt wie kaum ein anderer Sozialdemokrat der Nachkriegszeit. Mit dem Satz „Berlin ist arm, aber sexy“ schrieb sich der gebürtige Tempelhofer in die Popkultur ein, während er im Roten Rathaus eine der längsten Amtszeiten der Stadtgeschichte absolvierte. Wer heute nach Klaus Wowereit sucht, findet einen Mann, der Politik und Unterhaltung geschickt verbindet – als Podcaster, Talkrunden-Gastgeber und gefragter Redner.

Vom Lichtenrader Schüler zum Landesvater: die frühen Jahre

Geboren wurde er am 1. Oktober 1953 in West-Berlin, als jüngstes von fünf Kindern einer Familie mit bescheidenen Verhältnissen. Er wuchs im Bezirk Lichtenrade auf und besuchte dort die Ulrich-von-Hutten-Oberschule. Bereits als Schüler trat er 1969 den Jusos bei, der Jugendorganisation der SPD, und engagierte sich in der Schülervertretung. Sein politisches Vorbild war Willy Brandt – kein Zufall, denn dessen Bildungsreformen ermöglichten Kindern aus einfachen Verhältnissen erst den Zugang zu Gymnasium und Studium.

Nach dem Abitur 1973 nahm er an der Freien Universität Berlin ein Studium der Rechtswissenschaft auf. 1979 legte er die erste, 1981 die zweite juristische Staatsprüfung ab. Parallel dazu wuchs sein Gewicht in der Partei: 1972 trat er offiziell der SPD bei, ab 1995 saß er im Abgeordnetenhaus von Berlin. Im Dezember 1999 wählte ihn die Fraktion zum Vorsitzenden – ein Sprungbrett, das sich zwei Jahre später als entscheidend erweisen sollte.

Der Weg ins Rote Rathaus: Wowereits Aufstieg zum Regierenden Bürgermeister

Der Startschuss für seine Regierungszeit fiel im Frühsommer 2001. Die Große Koalition aus SPD und CDU zerbrach über den Bankenskandal der Bankgesellschaft Berlin, und die Fraktion setzte auf einen Neuanfang. Am 16. Juni 2001 übernahm Wowereit das Amt zunächst an der Spitze einer rot-grünen Minderheitsregierung.

Bei der vorgezogenen Neuwahl im Oktober desselben Jahres ging seine Partei mit 29,7 Prozent als stärkste Kraft aus dem Rennen. Nach zähen Verhandlungen stand am 17. Januar 2002 die Wahl zum Regierenden Bürgermeister einer Koalition aus SPD und PDS fest. Von November 2001 bis Oktober 2002 amtierte er zusätzlich als Präsident des Bundesrates – dem viertwichtigsten Staatsamt der Bundesrepublik.

Drei Amtszeiten im Überblick

AmtszeitZeitraumKoalitionspartnerBesonderheit
1. Amtszeit2001–2002Grüne (Minderheit), dann PDSÜbernahme nach Koalitionsbruch
2. Amtszeit2002–2006PDS/LinksparteiKonsolidierung des Landeshaushalts
3. Amtszeit2006–2011LinksparteiKulturbeauftragter des Senats ab 2006
4. Amtszeit2011–2014GrüneRücktritt am 11. Dezember 2014

Über 13 Jahre summierte sich seine Regentschaft im Rathaus, unterbrochen von keiner ernstzunehmenden Abwahl-Debatte. Ergänzend war er von 2007 bis 2010 Bevollmächtigter der Bundesregierung für kulturelle Angelegenheiten im Rahmen des deutsch-französischen Vertrags und von 2009 bis 2013 einer der stellvertretenden Bundesvorsitzenden der SPD.

„Arm, aber sexy“: Das Image einer Metropole im Umbruch

Kein Zitat klebt so fest an seinem Namen wie diese Kurzformel aus dem Jahr 2003. Sie traf einen Nerv: Die Hauptstadt kämpfte damals mit leeren Kassen, wuchs aber gleichzeitig zum Magneten für Kreative, Start-ups und Zuzügler aus aller Welt. Unter seiner Führung entwickelte sich die Spree-Metropole vom Sanierungsfall zur international gefeierten Kulturbühne – Techno-Clubs, Galerien und eine wachsende Digitalwirtschaft prägten das neue Bild der Stadt.

Diese Doppelrolle als Krisenmanager und Imageträger machte ihn zu einer der bekanntesten Figuren der deutschen Kommunalpolitik überhaupt. Kaum ein Amtsträger einer Landesregierung genoss bundesweit eine vergleichbare Medienpräsenz.

Schattenseiten der Amtszeit: das BER-Debakel

Neben dem glanzvollen Image gab es eine schwere Hypothek: den Hauptstadtflughafen BER. Von 2006 bis Januar 2013 und erneut von Dezember 2013 bis Dezember 2014 saß er dem Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft vor – just in der Phase, in der sich die Fertigstellung um Jahre verzögerte und die Kosten explodierten. Die geplatzte Eröffnung 2012 gilt bis heute als eines der größten Infrastrukturdesaster der jüngeren deutschen Geschichte und beschädigte auch sein politisches Standing erheblich.

Am 26. August 2014 verkündete er seinen Rücktritt mit Wirkung zum 11. Dezember desselben Jahres. Offiziell begründete er den Schritt mit dem Wunsch nach einem geordneten Übergang, doch Beobachter verwiesen ebenso auf die schwindende Rückendeckung innerhalb der eigenen Fraktion und die Dauerkrise am Flughafen.

Leben nach dem Rathaus: Was macht Klaus Wowereit heute?

Mit dem Ende seiner Amtszeit verschwand er keineswegs aus der Öffentlichkeit. Seit 2015 moderiert er im Berliner Capital Club die Gesprächsreihe „Bei Klaus zuhaus“, in der er prominente Gäste zum Talk empfängt. Ebenfalls seit Januar 2015 engagiert er sich ehrenamtlich im Präsidium des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller.

Ein neues Kapitel begann 2024: Zusammen mit Moderatorin Kim Fisher startete er beim RBB den Podcast „Kim & Klaus“, in dem gesellschaftliche Trends, politische Entwicklungen und Kulturthemen zur Sprache kommen. Daneben tritt er regelmäßig als Vortragsredner und Gesprächspartner bei Panel-Diskussionen auf – ein gefragter Zeitzeuge der Berliner Stadtpolitik.

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Wie lange war Klaus Wowereit Bürgermeister von Berlin?

Klaus Wowereit regierte Berlin vom 16. Juni 2001 bis zum 11. Dezember 2014 – insgesamt über 13 Jahre und damit eine der längsten Amtszeiten eines Regierenden Bürgermeisters in der Geschichte der Stadt.

Warum ist Klaus Wowereit für den Satz „Berlin ist arm, aber sexy“ bekannt?

Er prägte die Formulierung 2003 als Beschreibung der wirtschaftlichen Lage Berlins bei gleichzeitig wachsender kultureller Anziehungskraft. Der Satz wurde zum inoffiziellen Markenkern der Hauptstadt und begleitet seinen Namen bis heute.

Welche Rolle spielte Klaus Wowereit beim BER-Flughafenskandal?

Er war zweimal Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafengesellschaft, von 2006 bis Januar 2013 und erneut von Dezember 2013 bis Dezember 2014. In diesen Zeitraum fielen die massiven Bauverzögerungen und Kostensteigerungen des BER.

Was macht Klaus Wowereit heute nach seiner politischen Karriere?

Er moderiert seit 2015 die Talkreihe „Bei Klaus zuhaus“ und produziert seit 2024 gemeinsam mit Kim Fisher den RBB-Podcast „Kim & Klaus“. Zusätzlich ist er als Vortragsredner und Diskussionsteilnehmer gebucht.

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